Susanne
16.3.2025 um 11:29Uhr

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Seltene Kontaktaufnahme - ignorieren oder eingehen?

Hallo zusammen🐾 mein 12 jähriger Tierschutz-Rüde lebt seit 9 Wochen bei mir. Er nimmt zuhause nur selten Kontakt zu mir auf, vor allem spielen ist sehr, sehr selten. Blickkontakt nur aus der Ferne. Auch wenn ich ihn einlade um ihn zu streicheln kommt er nicht. Hingegen wenn ich auf der Couch liege, kommt er eigentlich immer nach ein paar Minuten und legt sich zu mir um zu dösen und zu schlafen. Er schaut dann auch immer mal rüber, ob ich noch da bin. Nun weiss ich nicht, soll ich immer drauf eingehen, um ihn zu ermutigen? Oder trotzdem öfter auch ignorieren und die Couch auch mal verbieten? Weil er soll ja auch merken, dass meine Aufmerksamkeit ein Privileg ist und ich darüber bestimmen kann, ob und wann wir Kontakt haben. Die Bindung ist nach so kurzer Zeit noch sehr schwach. Wenn ich ihn einlade auf ein Spiel oder auf die Couch ignoriert er das komplett, wenn er nicht eh schon selbst die ersten Signale gesendet hat, bzw auf die Couch kommt er dann erst nach ein paar Minuten, wenn er selbst das entscheidet. Draussen ignoriert er mich auch wenn er sein Ding an der schleppleine macht. An der kurzen Leine reagiert er ganz gut auf mich. Zwar achtet er wenig von sich aus auf mich, aber wenn ich ihn anspreche reagiert er gut darauf (er hat schon kapiert, dass er an der kurzen Leine eben keine Wahl hat😅). Wie macht ihr das bei schwacher Bindung? Mehr Nähe oder mehr Distanz? Liebe Grüsse Sanny & Rusty 🐾

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Ria
20.3.2025 um 11:35Uhr

Hallo Susanne, Ich bin selbst hier noch nicht so lange dabei und alles andere, als ein Profi. Aber für mich klingt es erstmal nicht sehr besorgniserregend. Schau mal: der Hund ist 12 (!) Jahre alt. Du hast jetzt leider gar nichts weiter zu seiner Vorgeschichte geschrieben; dabei wäre es ja noch gut zu wissen, ob bzw. was man da weiß. Hat er beispielsweise 12 Jahre auf der Straße verbracht ist es schon anders zu beurteilen, als wenn er sein Leben lang ein Zuhause hatte. Dann: wie ging es ihm in diesem Zuhause. Ist er misshandelt worden, war er da, aber lief einfach nur mit oder wurde er geliebt und erzogen..? Mein Hund ist jetzt circa 2 Jahre alt, aus Rumänien von der Straße eingesammelt. Der kannte spielen (mit dem Menschen) nicht. Das hat für den wahrscheinlich am Anfang keinen Sinn ergeben seine Energie für 'Unsinn' zu verschwenden. Das musste er lernen. Ich würde dir empfehlen - wenn noch nicht passiert - dich mit den Kursen "Bindung und Beziehung", "Wer ist mein Hund wirklich?" und "Nähe und Distanz" zu beschäftigen. Aber vor Allem: Gebt euch beiden die Zeit! Lass ihn weiter ankommen; 9 Wochen ist jetzt noch gar kein Zeitraum, um Sprünge zu machen bzw um irgendetwas zu beurteilen. Ihr müsst doch erst noch zusammenwachsen. Je nachdem, was er - wie gesagt - erlebt hat. Wenn er jetzt 12 Jahre auf der Straße war muss er doch erstmal verstehen, dass da jetzt jemand ist, der ihn führt. Und er muss auch erstmal checken, ob/dass du geeignet bist. Er war in dem Fall 12 Jahre lang sich selbst der Nächste und musste zusehen, wo er bleibt. Das ist dann jetzt so eingefahren im Verhalten, dass es schwer zu ändern sein wird. Aber nicht unmöglich! Mit Klarheit, Verlässlichkeit und Geduld kannst du ihm zeigen, dass du anführen kannst. Zu deiner eigentlichen Frage: Ich habe Couch und Bett erst erlaubt. Mein Hund durfte überall (mit) hin, was er auch tat (Stalking). Unser Trainer vor Ort sagte, dass er nicht alles dürfen sollte und wir uns Regeln für Zuhause ausdenken sollen, um ihn zu begrenzen. Er durfte dann erstmal nicht mehr auf Couch/Bett. Ich habe quasi ihn den Zeitraum des Verbots 'bestimmen' lassen, indem er so lange nicht mehr drauf durfte, wie er es ungefragt einfach gemacht hat. Als er es verstand, hat er angefangen zu fragen (Köpfchen darauf abgelegt). Ich habe noch 2 oder 3 Wochen seine Anfrage mit einem freundlichen Nein beantwortet. Seitdem möchte er von sich aus fast gar nicht mehr. Auch Einladungen meinerseits wurden schon ignoriert, was für mich OK ist, da es eine Einladung war und keine verbindliche Aufforderung zu mir zu kommen. Denn ich finde, diese Entscheidungsfreihheit darf ein Hund haben, wenn ich ihn frage, ob er mag, dies abzulehnen. Zum Thema draußen an der Schleppleine: Mir wurde mehrfach geraten, die Schleppi beim Gassi nicht zu verwenden. Ich hielt es für eine super Idee, dass ich ihm dadurch die Freiheit bieten kann, seinen Bedürfnissen (pullern, Häufchen machen, SCHNÜFFELN) nachzugehen. Meine Gedankenkette: Ich muss nicht auf ihn warten, ergo er bewegt nicht mich, ergo ich führe. Aber Dana (von der Doguniversity) sagt auch "Freiheit muss sich der Hund verdienen". Also Schleppi kommt trotzdem noch jeden Tag zum Einsatz, aber nur zum Spielen/Trainieren. Fazit des Ganzen "Mehr Nähe oder mehr Distanz?": Weder noch, sondern klare Regeln (Zuhause und draußen).

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