Reina
25.11.2022 um 02:04Uhr

So unterschiedlich kann es sein

Hallo Ihr Lieben, vor 2 Jahren hatte ich mich entschlossen, mir einen Hund anzuschaffen. Nachdem ich alle Tierheime der Umgebung abgeklappert hatte, stellte ich fest, dass davon keiner in Frage kam, weil ich keine Hundeerfahrung hatte und es dort nur „Problemhunde“ gab. Also entschied ich für eine Hündin aus Bosnien, die 1 Jahr alt war, Vorgeschichte unbekannt, aber laut der Tierschutzorganisation ruhig, entspannt, Kinder-/Familienfreundlich sein sollte. Anfangs war auch alles ok, abgesehen von Corona und dem deshalb mangelnden Angebot an Hundetraining. So versuchte ich mit Online Training und Büchern ihr gerecht zu werden. Klappte auch gut, bis ich 6 Wochen später von einem großen unangeleintem Hund, der auf uns zugestürmt kam, einen Trümmerbruch des linken Beines erlitt. Dann folgte für meine Hündin Lana ein hin und her zwischen Nachbarn, die mit ihr als Junghund viel zu wenig Gassi gingen, und bei mir (die ich bewegungsunfähig auf dem Sofa lag mit dauerhaft reinkommenden Menschen wie Pflegedienst, Besuch, Einkauf- und Wäschedienst). Und sie war wie ich im Nachhinein feststellte eher Abteilung Hütehund/Herdenschutzhund. Es eskalierte natürlich, sie war nicht ausgelastet, und fing an, zu zerstören und Besucher anzugehen. Also Notlösung Tierpension, wo sie alles shredderte, was nicht niet- und nagelfest war. Als sie wieder bei mir war, war sie draußen beim Gassi gehen ein Traumhund, wenig Jagdverhalten, ich konnte sie immer frei laufen lassen, Rückruf kurz trainiert, perfekt. Das war allerdings auch das einzige, was funkte, mir haben dann verschiedene Hundetrainer unabhängig voneinander gesagt, dass sie und ich GAR nicht zusammen passen, weil sie absolut kein Anfängerhund sei und sowieso besser als Zweithund geeignet sei. Also habe ich schweren Herzens ein neues Zuhause für sie gesucht und auch gefunden, auf einem Reiterhof mit anderem Hund, Katzen und Pferden. Das war mir eine schmerzhafte Lehre und ich wollte keinen 24/7 Hund mehr haben, schon gar nicht als Überraschungspaket aus dem Ausland. Aber dann kam eine Freundin auf mich zu, die sich eben einen solchen Tierschutzhund zulegen wollte, und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, ihren Hund während ihrer Teilzeitarbeit zu betreuen. So kam Yara zu mir, die ich jetzt tagsüber bei mir habe, und ich stelle fest (seit August), die beiden sehen sich zwar fast zum Verwechseln ähnlich, mittelgroß, hellbraun, schlank und wendig, wie ein zu klein und zu hell geratener Schäferhund (Yara eher wie ein zu groß geratener Fuchs), aber von der Art her SO unterschiedlich! Yara hütet gar nichts, es kann klingeln, Besucher kommen rein, sie rührt sich nicht. Das häusliche Management ist perfekt. Selbst wenn ihr anderes Frauchen kommt, bleibt sie liegen und wartet unaufgeregt. Aber draußen extremer Jagdinstinkt, so dass ich sie trotz dauerhaftem Rückruftraining, was an der Schleppleine perfekt funktioniert, nicht unangeleint laufen lassen kann (doch, im Dorf schon, aber eben nicht auf dem Feld, im Wald). Rückruf 90 % ok, aber wenn sie wegläuft und jagt, dann bekommt man sie erst nach mindestens 15 Minuten und nur mit GPS Tracker zurück. Bei diesen Aktionen gefährdet sie in erster Linie sich selbst, aber somit potenziell auch Andere. Ein Tierarztbesuch war schon fällig, weil sie auf Kaninchenjagd so im Tunnel war, dass sie sich leicht verletzt hat. Ich schreibe dies für all diejenigen von euch, die sich auch ein Überraschungspaket holen wollen. Inzwischen habe ich viel Training gemacht, und bei beiden verschieden veranlagten Hündinnen habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, nur ein ausgelasteter Hund ist ein glücklicher Hund. Wenn man sich die mittelgroßen, jungen, schlanken, agilen Rennmaschinen ins Haus holt, sollte man genügend Auslauf bieten, bei mir sind es momentan täglich ca. 10-15 km, Mischung aus Spaziergang (Schnüffeln), Kopfarbeit (auch striktes bei Fuß gehen ist für einen Hund, der sehr an Fährten interessiert ist/im Außen ist, äußerste Konzentrationsarbeit), spielen und rennen (geht leider gerade aufgrund ihres Jahdinstinktes nur am Fahrrad oder auf dem Hundeplatz). Macht ca. 3 Std. pro Tag, manchmal auch 4. Dafür ist sie den Rest des Tages tiefenentspannt, schläft oder döst vor sich hin und kuschelt 🥰

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Frank
25.11.2022 um 12:36Uhr

Moin Reina, beeindruckende Geschichte zu der man nicht viel sagen kann. Hund ist Hund Nase, 4 Beine und ein Schwanz dran. Ja, nee.....so einfach ist das nicht. Oft hört man Rasse x macht dies, Rasse y das. Ja, auch so einfach ist es nicht. Jeder einzelne Hund hat Charakter. Ich durfte dabei sein wenn mein damaliger Mentor Welpen gekauft hat für die Ausbildung. Da hast du einen Wurf Welpen und erkennst, wenn du weißt auf du achten musst, das jeder einzelne Welpe schon eine Persönlichkeit besitzt. Vom Großmaul bis zum Angsthasen ist in einem Wurf jeder Charakter vorhanden. Sicherlich gibt es Rasse Eigenschaften die alle besitzen aber die Spanne an Charaktereigenschaften innerhalb eines Wurfs kann riesig sein. Früher sagte man immer setz dich zu den Welpen und der erste der zu dir kommt ist dein Hund. Das ist Unsinn, so bekommt man immer den mutigsten Welpen, der der sich zuerst traut. Wenn man die Gelegenheit hat aus einem kompletten Wurf sich seinen Hund aussuchen zu dürfen ist das eine schwere Entscheidung. Leider wird heute oft aus dem Internet nach Aussehen gekauft. So das man eine Überraschung erleben kann. Es ist wirklich schwierig wirklich einen passenden Hund zu finden und oft ist es nur ein Kompromiss. Schön wenn es bei dir dein Hund ist. Ich freue mich .

Carola
25.11.2022 um 19:45Uhr

Darum schrieb ich an anderer Stelle, Hunde aus dem Auslandstierschutz grundsätzlich nur über eine Pflegestelle auswählen. Der Hund ist dort schon in einer Situation, wo er seinen wahren Charakter zeigt und die Pflegestelle sollte den Hund mit kompetentem Blick einschätzen. Nach mehreren Besuchen kennt die Pflegestelle den potentiellen Adoptanten besser, beobachtet wie der Hund reagiertvund kann dann entweder zustimmen oder eben bitte auch ablehnen, wenn man sieht das matched nicht. Ein Welpe ist immer ein totales Überraschungspaket, man weiß nie, welchen Charakter der erwachsene Hund haben wird. Einen Hund auf einer Pflegestelle kann man sich angucken, bis man sicher ist, das es passt. Wenn man dafür gar kein Gefühl hat, sondern nur nach Niedlichkeitsfaktor entscheiden kann, lässt man es besser gleich!

Reina
26.11.2022 um 10:00Uhr

Hallo Frank, danke für deinen Kommentar!

Reina
26.11.2022 um 10:04Uhr

Ja, genau das meine ich auch mit dem Beitrag. auf jeden Fall von einer kompetenten Pflegestelle und nie direkt aus dem Ausland. Ich schrieb diesen Beitrag auch eher für Menschen, die gerade überlegen, sich einen Auslandshund zuzulegen. Dir ein schönes Wochenende!

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