Fa
5.8.2022 um 11:03Uhr

Mein Hund hat Angst

Hallo. Ich habe einen 15-Monate alten Golden-Retriever Rüden und sein Name ist Lucky. Wir haben ihn mit 8 Wochen bekommen. Lucky ist ein sehr lieber und freundlicher Hund bis zu dem Moment an dem du zu Besuch zu Freunden gehst oder wohin gehst, wo viele Geräusche und Menschen sind. Neue Umgebungen sind fast nicht machbar. Im Urlaub hat er 5 Tage gebraucht um von alleine in den Garten zu gehen. Er zieht den Schwanz ein, zittert und versteckt sich. Ich komme in diesen Momenten nicht an ihn heran. Er ist nicht mehr zur Ruhe zu bringen…sozusagen ist er immer auf halb 8 Stellung. Das merkwürdige ist, das er es im Wald und in der Nähe des Wassers liebt und es ist ihm dann nichts anzumerken. Mit anderen Hunden ist er freundlich, aber meistens zurückhaltend. In der Hundeschule spielt er 5 Minuten mit und zieht sich zurück. Da ich selbständig bin ist Lucky immer bei mir. Seine Bezugspersonen sind also immer bei ihm. Ich bin sehr verzweifelt, da ich weiß wie schlecht es Ihm in den Momenten geht. Die Blutwerte waren soweit i.O. Er bekommt was für die Schilddrüse, aber auch hier habe ich keine Besserung festgestellt. Ich habe es mit Bachblüten probiert. Es hat nichts geholfen. Ich bin NOCH nicht bereit im „Beruhigungsmittel“ zu geben. Viell kann mir hier jmd weiterhelfen.

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Mr.
5.8.2022 um 11:13Uhr

Bachblüten? Really? Bitte kein Placebo Zeug an Hunde verfüttern. Und warum willst du Beruhigungsmittel in Betracht ziehen, wenn er gerade in einer wichtigen Entwicklungsphase ist und du ihn langsam an alles gewöhnen musst? Du kannst einen Hund nicht einfach mal „Komm wir gehen jetzt dahin. kennst du zwar nicht, aber wird schon.“ Hunde müssen alles Schritt fürs Schritt lernen. Und diese Prägung scheint ihr (sorry) verhauen zu haben. Muss der Hund denn überall mit hin? Nein. Muss er nicht. Geh zurück zum Anfang und führen ihn Schritt für Schritt an alles heran. und nein, nur weil er einmal ruhig blieb, ist das damit dann nicht erledigt, sondern man bleibt bei der Übung, bis er wirklich Ruhe zeigt und geht dann zum nächsten Punkt. Von der ruhigen Parkbank etwas näher zur nächsten Bank, wo mehr los ist. Und bitte keine Bachblüten und solch einen wirkungslosen Mist. 🙈

Fa
5.8.2022 um 11:28Uhr

Ich habe hier reingeschrieben um genau das zu vermeiden. Das letzte was ich ihm geben möchte sind Beruhigungsmittel. Lucky ist sozusagen mein Zweithund, ich habe also Hundeerfahrung und dieses Verhalten was lucky hat ist nicht normal. und hat auch nichts mit seiner Entwicklung zu tun. Ich habe Lucky an die Situationen langsam heran geführt, ich habe wirklich kleine Schritte gemacht, jeden zweiten Tag ein bisschen mehr. All das hat nicht geholfen. Es ist fast unmöglich mit ihm an einer Baustelle vorbeizulaufen.

Fa
5.8.2022 um 11:29Uhr

Er wird richtig panisch.

Mr.
5.8.2022 um 12:52Uhr

„Jeden Zweiten Tag ein bisschen mehr“. ist aber nun mal viel zu schnell. Du musst wirklich neu anfangen, da gibt es keinen anderen Weg. und diesmal langsamer. Das ist ein ängstliches Lebewesen und kein Terminplaner.

Dani
5.8.2022 um 13:06Uhr

Hunde unterscheidet man im Allgemeinen in zwei Persönlichkeitstypen: die introvertierten und die extrovertierten. und beide jeweils in stabil und instabil. es handelt sich quasi um den Charaktertypus. entsprechend, bzw innerhalb der Grenzen kann und sollte man dann arbeiten. bei einem instabilen, unsicheren Hund kannst du folgendes probieren: - Selbstbewusstsein stärken durch entsprechende Übungen, zb. Aufgaben stellen die der Hund selbständig lösen / bewältigen kann. wenn's nicht gleich klappt bei den ersten Schritten helfen und dann alleine bewältigen lassen - Körperbewusstsein stärken durch zb Balanceübungen -> beides fördert die Bindung zum Halter, ebenfalls besonders wichtig bei instabilen Hunden - Entspannungssignale etablieren - Thundershirt in Extremsituationen - wer möchte kann natürlich Bachblüten zur Unterstützung geben. selbstverständlich gibt es auch Unsicherheiten bei fehlender Sozialisation. aber auch dann geht der Hund je nach Charakter unterschiedlich mit um. Aus deinem Text geht für mich hervor, dass du kleinschrittig geübt hast. deswegen könnte ich mir vorstellen, dass es sich bei deinem Hund eine Charakterfrage handelt, sofern gesundheitlich alles ok ist. kurz noch zu den Beruhigungsmitteln: da muss man wirklich aufpassen. es gibt Beruhigungsmittel die nur den Körper sedieren. der Hund wirkt ruhig, ist innerlich jedoch weiterhin panisch. 🍀

Fa
5.8.2022 um 13:10Uhr

hey Dani. vielen Dank für deine liebe Antwort. Ich übe viel mit ihm und er bekommt auch sein Futter einmal am Tag draußen. Balanceübungen macht er auch gerne. Was sind entspannungssignale? wie kann ich das üben?

Dani
5.8.2022 um 13:41Uhr

Entspannungssignale können konditioniert werden. der Hund wird in dem Moment nicht schlafend zusammen fallen, hilft aber aus dem reflexiven Zustand in den denkenden Zustand zurückzukehren und dann Alternativverhalten abzurufen. Praktikabel sind optische Reize wie eine besondere Decke/Leine, taktile Reize wie ein Halstuch, eine bestimmte Berührung oder olfaktorische Reize wie Gerüche. aber hier muss aufgepasst werden, weil Hunde Gerüche sehr intensiv wahrnehmen. üben kannst du das wie folgt: erst solltest du herausfinden wie dein Hund in einer für ihn sicheren Umgebung wirklich entspannt. zb durch langsames Streicheln, wenn er das als angenehm empfindet. so wird Oxytocin ausgeschüttet, das Bindungshormon. Wenn dein Hund dann wirklich entspannt ist, das Entspannungssignal etablieren. also entweder ein Wort sagen, das Target anlegen ect. so verknüpft der Hund irgendwann das Wort/Target mit dem Entspannungsgefühl. Wie gesagt: der Hund wird dann bei Anwendung nicht auf der Stelle einschlafen, aber kann - wenn es entsprechend konditioniert wurde - den Hund in den denkenden Zustand zurückbringen und dir die Möglichkeit geben Alternativverhalten abzurufen. Entspannungssignale aufzubauen bedarf aber Zeit.🍀

Fa
5.8.2022 um 15:46Uhr

ok. vielen Dank für deine Hilfe. Damit kann ich was anfangen!

Silke
5.8.2022 um 17:41Uhr

Dauert aber wirklich lange und muss durchgehend und konsequent trainiert werden, da der Hund es schließlich schon lange macht. Von Beruhigungsmitteln, in diesem Fall, halte ich nichts. Wie Dani schrieb, äußerlich ruhig und innerlich tobt der Hund, sowas muss wirklich vorsichtig mit Fachwissen gehandhabt werden. Ich persönlich würde es nicht machen. Gibt schließlich noch diverse Alternativen. Eventuell seit Ihr auch gerade festgefahren und solltet zuzüglich nochmal von vorn beginnen und auch erstmal Orte meiden, oder nur von weitem begutachten, die für eventuelle Panik sorgen. Verstehe das mit der Schilddrüse nicht, kriegt der Hund Forthyron? Manche Schilddrüsenerkrankungen äußern sich manchmal auch durch solche Störungen. Habe selbst einen Hund der das nimmt. Hatte aber andere Probleme wodurch dies auffiel. Wenn es dadurch kommen sollte, muss es, wenn korrekt eingestellt, alle drei Monate Blutbild, auch eigentlich weg sein, oder nachlassen. Daher endweder stimmt mit der Medikation etwas nicht, oder wovon ich noch eher ausgehe, ein grundlegendes Problem, oder eine Mischung aus beidem. Bedeutet nochmal von vorn beginnen

Carola
5.8.2022 um 18:05Uhr

Nach den hilfreichen Ausführungen meiner kompetenten Vorrednerinnen von mir nur eine kleine Ergänzung. Einem so unsicheren Hund würde ich keine Outdoor Fütterung zumuten, sondern er sollte solch eine existentielle Handlung wie Essen in Ruhe und Sicherheit in seinem vertrauten Zuhause machen dürfen. Und bedenke, wenn sein Cortisolspiegel (Stresshormon)erst mal hochgefahren ist, dauert es Stunden, ehe der Pegel wieder fällt. Solange kann er auch nicht wirklich runterfahren. Daher ist es wichtig, ihn diesen starken Reizen erst mal gar nicht auszusetzen, sondern ganz langsam ranzuführen.

Fa
5.8.2022 um 18:52Uhr

Mir ist nochmal wichtig zu erwähnen, das Ich weiß das es Zeit dauert und das ist auch ok. Beruhigsmittel sowie allerlei homöopathische Mittel halte ich selbst für nicht förderlich und wehre mich dagegen. Nur glaubt mir niemand, das die Tierärzte es immer wieder verordnen. Auf den Trichter mit der Schilddrüse bin ich erst gekommen, als mich meine Hundertrainerin darauf aufmerksam machte. Ich fragte den Arzt und er verordnete Lucky Forthyron. Ersteinmal eine halbe, dann erhöhen auf eine ganze am Tag und wieder prüfen. Der Wert ist in Ordnung, nur manchmal bräuchten das Hunde, obwohl man es im Blutbild nicht sieht. Der 2. Tierarzt bei dem ich war meinte das sei Schwachsinn und gab mir CBD Tropfen. Die 3. Tierärztin meinte genau das selbe und verordnete Training mit dem Hund, nur habe ich das Gefühl es kann keiner nachvollziehen, wie schlimm es wirklich ist einen Hund zu haben, der sich vorallem fürchtet bzw. Angst hat und nicht weiß, wie man Ihm helfen kann. Ich meide aufregende Plätze, weil ich weiß das es nichts für Ihn ist, aber ich wünsche mir trotzdem Ihn mit in den Biergarten zu nehmen. Ich habe viele Hundefreunde und er ist gut sozialisiert. Ich habe ein gutes Beispiel: ein starker Windstoß, in Verbindung mit einer Zeltplane führt bei Lucky dazu, dass ich schnell nach Hause muss. Er kann sich nicht mehr beruhigen. Das Fenster fest zuschlagen erschrickt er sehr, einen Stuhl verrücken, ganz zu schweigen von Mülltüten (obwohl das ja häufig ist) usw. Ich möchte nochmal sagen, ich habe mir bei Lucky wirklich sehr viel Mühe gegeben, aber wie kann ich von neu anfangen???

Fa
5.8.2022 um 18:54Uhr

Ich bin wirklich dankbar für all eure Hilfe!

Mr.
5.8.2022 um 18:59Uhr

Der Vet gibt einfach mal so was für die Schulddrüse, obwohl das Blutbild in Ordnung ist? Kein Hund braucht das „manchmal“, obwohl das Bild zeigt, das er in Ordnung ist und es nachweislich nicht braucht. Solche Spielereien können der Schilddrüse sehr schaden und aus dem Gleichgewicht bringen und somit den ganzen Körper fertig machen. die Schilddrüse ist ein sensibles Organ, wo man nicht einfach mal was gibt. Also den Vet würde ich persönlich nie wieder aufsuchen.

Fa
5.8.2022 um 19:02Uhr

Ich habe Ihn mit meiner Sorge zur Rede gestellt. Er sagte, laut seiner Erfahrung, ist es oft so, das der Wert „ok“ ist und es trotzdem den Hunden hilft!!!

Fa
5.8.2022 um 19:03Uhr

und es würde nicht schaden es auszuprobieren

Fa
5.8.2022 um 19:04Uhr

Ich habe viel darüber gelesen. Forthyron hat kaum bis gar keine Nebenwirkungen

Carola
5.8.2022 um 19:24Uhr

Hast Du es mal mit dem Thundershirt versucht? Und Massagen nach Tellington TTouch (googeln!) sollen bei panischen Hunden Wunder wirken!

Fa
5.8.2022 um 19:29Uhr

Nein. noch nie gehört. Werde ich googeln!

Dani
5.8.2022 um 20:56Uhr

ich würde dir wirklich raten weiter am Bindubgsaufbau zu arbeiten. mit einfachen Aufgaben oder leichten Abenteuern beginnen, mit dir an seiner Seite. Gemeinsam Situationen meistern. Vermutlich wird er immer ein ängstlicher Hund bleiben. Ziel ist es, dass er dir so vertraut, dass er sich in für ihn ängstlichen Situationen an dir orientiert. Auch würde ich dir raten einen Trainer zu suchen, der auf Angsthunde spezialisiert ist. "Von vorne anfangen" ist leichter gesagt als getan, wenn schon die minimalsten Veränderungen und Situationen ihm solche Angst machen,dass er nicht mehr ansprechbar ist. Vielleicht hat solch ein Trainer auch Empfehlungen für Tierärzte, die sich mit Angsthunden auskennen.

Fa
5.8.2022 um 21:51Uhr

ja. ich habe es probiert, aber aufgrund Corona ist es sehr schwierig jmd geeignetes zu finden..jmd der wirklich weiß, was man tun muss…und leider gibt es niemanden in meiner Nähe und meiner Meinung nach schimpfen sich einfach zuviele als „hunderteiner“. Dann ist man 100€ los und weiß nicht mehr…

Fa
5.8.2022 um 21:53Uhr

danke für all eure Antworten. Ich nehme was davon mit 🙏

Fa
5.8.2022 um 21:56Uhr

pro Stunde 100€ meine ich

Silke
5.8.2022 um 22:35Uhr

Nimmt Dein Hund das denn? Nimmt man wirklich nur bei einer richtig vorliegenden Erkrankung. Meine alte Hündin hat mit 8 Jahren eine Schilddrüsenunterfunktion gekriegt. Wie bei Menschen ist dies auch bei Hunden behandlungsbedürftig, fehlen schließlich Hormone, ansonst hat es schwerwiegende Folgen. Meine alte Hündin, jetzt 11 Jahre, hat damals körperliche Probleme gekriegt, die mir dann natürlich auffallen, andere Trinkgewohnheiten, etwas Probleme mit dem Fell, zwischendurch ein etwas verändertes Wesen, und unübliche Reaktionen, hatte da schon direkt auf Nieren und Schilddrüse getippt, Nieren gehen eigentlich noch von den Werten und Ultraschll, war dann die Schilddrüse. Diese Tabletten wirklich nur, wenn es sich um diese Erkrankung handelt und natürlich haben diese Tabletten ,wie eigentlich alles Nebenwirkungen. Diesbezüglich geht es ihr gut damit. Innerhalb weniger Tage war sie wieder die Alte.

Silke
5.8.2022 um 22:55Uhr

Gerade gelesen, nimmt sie. Würde dies wirklich überdenken, nimmt man nicht ohne Grund. Mal in eine adäquate Tierklinik gehen und richtig untersuchen lassen, Blutbild dort und zuzüglich wegschicken und Ultraschall, erst nach sicheren Diagnosen bespricht man was gemacht wird. Sowas einfach zu geben ist gefährlich und kann vieles schlimmer machen.

Silke
5.8.2022 um 22:59Uhr

Wenn es nötig wäre braucht der Hund es zweimal am Tag um den Spiegel aufrecht zu erhalten und muss ordentlich eingestellt werden, alle drei Monate wird dies kontrolliert. Halte es trotzdem für etwas anderes, dennoch ist es wichtig es richtig untersuchen zu lassen.

Silke
5.8.2022 um 23:02Uhr

Ist leider mittlerweile kein unüblicher Preis. Oft für unqualifizierte Leute. Deshalb mal wirklich nach jemandem suchen, der sich mit solchen Problemen auskennt.

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